Affektive Narrative des Rechtspopulismus

Eröffnungsvortrag, 15. Juni 2021

Symposium, 2. Juli 2021

Erzählen ist ein zentrales Moment der Politik. Über Erzählungen werden Erinnerungen aufgerufen, politische Erfahrungen verarbeitet sowie Verhältnisse (re)imaginiert und legitimiert. Erzählen ist dabei immer auch affektiv. Narrative wirken affizierend, in ihnen werden Gefühle sortiert, emotionale Reaktionen intelligibel gemacht und Affekte evoziert. Ebenso schreiben sich Vergangenheit und Zukunft in politische Narrative affektiv ein.

Dieses Zusammenspiel des Politischen, Affektiven und Narrativen zeigt sich auch im gegenwärtigen Erstarken des Rechtspopulismus, etwa wenn Björn Höcke jubelnde Mengen mit einer Erzählung von wiedererwachender Männlichkeit und nationaler Wehrhaftigkeit affiziert oder Donald Trump eine Geschichte des ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten und Sklavenhalters Andrew Jackson als großherzigen, im Angesicht des Bürgerkrieges wütend werdenden Friedensstifters erzählt. Dem wollen wir in unserer Veranstaltung nachgehen und anhand unterschiedlicher Perspektiven auf Affekte, Narrative und Rechtspopulismus die Querverbindungen in konzeptueller sowie zeitdiagnostischer Perspektive beleuchten. Ziel ist es, die Verflechtung von Affekten und Narrativen zu fassen und zu fragen, wie sich darüber unterschiedliche aktuelle rechtspopulistische Dynamiken begreifen und einordnen lassen.