190 € – 240 €

INTERVIEWS IM DOKUMENTARFILM

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Filmpark Babelsberg

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SEMINAR MIT LORETTA WALZ

Interviews und gefilmte persönliche Erinnerungen von Zeug_innen der Geschichte (oder Ereignissen) sind ein wesentlicher Bestandteil von dokumentarischen Filmen und zunehmend bedeutsame Quellen für die historische Forschung sowie für Recherchen zur Geschichte des 20. Jahrhunderts.


INHALTE DES SEMINARS

In diesem Seminar soll es zunächst ganz generell um „filmische Interviews“ gehen, wobei sich der Fokus mehr und mehr auf Interviews in dokumentarischen Filmen und weiter auf Zeitzeug_innen-Interviews verdichten wird.


Wie kommt es zu der Fülle von Zeitzeug_innen-Interviews in Archiven, auf Online-Portalen und in Gedenkstätten? Was hat den „Boom“ der Zeitzeug_innen-Befragung ab den 1970er / 1980er Jahren ausgelöst und warum sind Erinnerungsberichte rund um die Geschichte des Zweiten Weltkriegs und Verfolgungsgeschichten aus der Zeit des Nationalsozialismus der weitaus größte Teil der vorliegenden Interviews? Was können uns persönliche Erinnerungen vermitteln und wie können wir deren Inhalt analysieren?


Das Seminar wird sowohl in unterschiedliche Formen der Interviewführung Einblick geben, als auch die Dynamik des Interviewablaufs – insbesondere in langen Interviews – in allen denkbaren Einzelheiten analysieren. Es werden nicht nur die technischen Voraussetzungen, sondern auch die Planung, Durchführung und Auswertung von Interviews thematisiert. Es wird um die Bedeutung von Interviews als historische Quelle und deren Einschätzung gehen. Anhand praktischer Übungen soll Interviewführung erprobt und ausgewertet werden.


AUFBAU DES SEMINARS

1. FILME LESEN / Einführung

  • Was ist ein Interview?
  • Wo werden Interviews genutzt? Welche Art von Interview wofür?
  • Formen der Interviewführung: vorgestellt werden zwölf unterschiedliche Formen mit jeweils 1½- bis 2minütigen Film-Beispielen
  • Vertiefung: Interview nach der Methode der Oral History


    Drei Grundelemente eines Interviews:
  • 1. Wer mit wem? (Interviewer_in und Interviewpartner_innen)
  • 2. Wo? (Auswahl des Drehorts, Bildhintergrund, Ausstattung)
  • 3. Wie? (Kamera, Einstellungsgrößen und Perspektiven, Licht und Ton / Filmbeispiele „Grundlagen der Bildgestaltung“)
  • Welche Rolle spielt die spätere Nutzung eines Interviews bei der Aufzeichnung? Welche Rolle spielt die spätere Montage bei der Aufzeichnung?


    • Geschichte und Entwicklung von „Zeitzeug_innen-Interviews“
    • Der Begriff „Zeitzeug_in“
    • Die politische Entwicklung der Zeitzeug_innen-Befragung
    • Entwicklung von Zeitzeug_innen-Interviews im Fernsehen
    • Technische Entwicklung (von analog zu digital)
    • Filmbeispiele


    Praxis: „Interviewmethoden lesen“: Anhand von Filmausschnitten bzw. Interviewsequenzen sollen unterschiedliche Vorgehensweisen im Interview analysiert bzw. „gelesen“ werden.


2. FILM MACHEN / Interviewpraxis

  • Planung, Vorbereitung und Ablauf eines Interviews (Recherche und Auswahl von Interviewpartner_innen, Drehort, Drehgenehmigung, Team, Technik, Vorgespräch, Absprachen, rechtliche Vereinbarungen, Fragenkatalog etc.)
  • Praxis: Interviewführung: In kleinen Arbeitsgruppen sollen Interviews geplant, inhaltlich vorbereitet und aufgezeichnet werden.
  • Erfahrungsaustausch
  • Vorbereitung zur Sicherung und weiteren Bearbeitung eines Interviews


3. FILM BEARBEITEN / Auswertung und Montage

  • Protokoll, Nachbearbeitung, Transkription, inhaltliche Auswertung
  • Auswertung generell: Dimension, Analyse, Werturteil, Sachurteil (eigener Eindruck)
  • Schlüssigkeit, Nachvollziehbarkeit, Wahrscheinlichkeit
  • Übereinstimmungen, Differenzen, Widersprüche
  • objektive oder subjektive Sicht
  • Nutzung von Transkriptionen und Übersetzungen
  • Auswertung von Interviews für die Montage
  • Gibt es „gute“ und „schlechte“ bzw. „brauchbare“ und „unbrauchbare“ Interviewpartner_innen?
  • Die besondere Geschichte oder das Highlight im Interview?
  • Der Persönlichkeit und Haltung der Interviewpartner_in in der Montage gerecht werden?
  • Nutzungsrechte und künstlerische Freiheit
  • Einbeziehung von Interviewpartner_innen während der Montage?
  • Untertitel oder voice-over


  • Beispiel: Interviews in Online-Archiven
  • Vorstellung von diversen Online-Archiven mit Zeitzeug_innen-Interviews (u.a. „Die Frauen von Ravensbrück – das Videoarchiv“)
  • Praxis: Interviewauswertung: Aus den aufgezeichneten Interviews der Arbeitsgruppen werden Schritt für Schritt Filmkonzepte entwickelt.


ZIELE DES SEMINARS

  • Erwerb von Kenntnissen über unterschiedliche Formen der Interviewführung
  • Anhand von Filmbeispielen die Arbeits- bzw. Vorgehensweise in Interviews erkennen und einschätzen lernen
  • Erwerb von Kenntnissen über technische Vorraussetzungen zur Aufzeichnung eines Interviews in Bild und Ton
  • Sensibilisierung für den Umgang mit Interviewpartner_innen in dokumentarischen Arbeiten sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit persönlichen Aussagen und Erinnerungen
  • Praktische Übungen in Interviewführung und deren Auswertung
  • Erwerb von Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen von Interviews als Quelle für die historische Forschung


ZUR DOZENTIN

Loretta Walz hat in ihrer 35jährigen Praxis als Filmemacherin viele lebensgeschichtliche Interviews geführt und diese in langen Dokumentarfilmen verarbeitet. Ihr Schwerpunkt liegt im Themenbereich Geschichte und Biografie und damit in der persönlichen Erinnerung an Selbst-Erlebtes im Kontext der „großen Geschichte“.


Loretta Walz arbeitet seit 1981 als Regisseurin, Autorin, Filmproduzentin und Dozentin für Medienarbeit und Geschichte (u.a. 1988 bis 2008 an der HdK/UdK Berlin, seit 2011 an der Universität Luxemburg). 2006 wurde sie für ihren Film „Die Frauen von Ravensbrück“ mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet, im selben Jahr wurde ihr für Film und Buch das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

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