Die Quelle der Nachhaltigkeit ist Zuversicht

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Die Quelle der Nachhaltigkeit ist Zuversicht

Unsere Sprache formt unseren Blick auf die Welt und bestimmt, wie wir mit ihr – und uns – umgehen.

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stratum lounge Boxhagener Str. 16 stratum lounge 10245 Berlin Germany

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Unsere Sprache formt unseren Blick auf die Welt und bestimmt, wie wir mit ihr – und uns – umgehen. Längst ist der Leitbegriff der „Nachhaltigkeit“ zu einem inflationären Etikett geworden, das nahezu jedem Produkt und jeder Praxis nach Belieben aufgeklebt wird.

Der Publizist und Buchautor Ulrich Grober macht in seinem neuen Buch den Versuch, diesen Begriff zu „boostern“. Dabei gelingt es ihm, Nachhaltigkeit sowohl mit den Grundbedürfnissen des Menschen neu zu verknüpfen als auch eine klare Trennlinie zu zerstörerischen Nachhaltigkeits-Illusionen zu ziehen. Damit würden nicht länger Zukunftsangst und der Kampf gegen die Krise unser Handeln bestimmen, sondern – Zuversicht.

Es ist wahr, dass der Blick der Astronauten auf die Erde unser Bild vom verletzlichen „blauen Planeten“ erst ermöglicht hat. Aber genau so wahr ist, dass die Weltraummissionen seit jeher die Sprache der Eroberung sprechen. Ulrich Grober erkennt darin „den großen Irrtum: zu meinen, die Welt sei zum Nutzen und Vorteil des Menschen eingerichtet und könne als Objekt der Eroberung dienen“. Wir müssten stattdessen einsehen, dass der Mensch selbst nur Teil der Natur und gerade dabei ist, die Natur zu erobern und in einem Ausmaß zu zerstören, das auch dem Menschen die Lebensbasis auf diesem Planeten entzieht.

Wir alle ahnen das. Und viele sehen den Ausweg darin, die Wirtschaft und unser Leben „klimaneutral“ zu machen. Aber ist das nachhaltig? Ulrich Grober bezweifelt es: „Ohne Frage, die Klimakrise lässt sich gut ‚runterbrechen‘. Die Eisbären, die Gletscher, der verdorrte Rasen hinterm Haus, der überflutete Keller. Klima versteht jeder. ‚Klimaneutral bis 2050‘ – das ist griffig, das lässt sich operationalisieren. Ja, natürlich: Die Erderwärmung ist ein Teil des Problems, Klimaschutz ein Teil der Lösung. Klimaneutralität ist ein eminent wichtiges Ziel. Aber was ist, wenn die Erderwärmung nur ein Symptom der Krise ist? So wie das Fieber nur ein Symptom der Krankheit ist. Kein Arzt geht davon aus, dass fiebersenkende Mittel den Patienten heilen. Wir müssen größer denken. Nachhaltigkeit geht aufs Ganze.“

Dieses „Ganze“ ist bei Grober die Einsicht, dass nicht der CO2-Fußabdruck unser Hauptproblem ist, sondern unsere „Illusion, wir könnten ‚weiter so‘ machen, wenn wir bloß die fossilen Energieträger durch erneuerbare ersetzten. Die unbequeme Wahrheit aber ist: Eine Konsumgesellschaft heutigen Ausmaßes lässt sich auch mit erneuerbaren Energien nicht aufrechterhalten. Damit wäre die Biosphäre heillos überlastet.“

Die große Angst, die wir bewältigen müssen, wenn wir diese Einsicht ernstnehmen, ist unsere Verzichtsangst. An diesem Punkt nun kommt der „Wanderer“ Ulrich Grober ins Spiel, weil er uns erklären kann, dass Wandern – also lange Strecken zu Fuß gehen und es genießen – die beste Einübung in nachhaltige Lebensstile darstellt. Denn beim Wandern erkennen wir, dass „es oft nur ein Minimum an Dingen braucht, um ein Optimum an Wohlbefinden zu erleben“.

Und nicht nur das: Wandern in der Natur hat eine ästhetische Qualität, die angstreduzierend wirkt, wie Ulrich Grober weiß: „Die Gewissheit, dass in der Welt Schönheit und Erhabenheit verborgen liegen, ist grundlegend, um angesichts von extremen Gefahren Wege aus der Angst zu finden und handlungsfähig zu bleiben.“ Das hat auch damit zu tun, dass Wandern das Tagträumen fördert und „Tagtraumen ist ein Tool der Zuversicht. Es ist ein besonderer Bewusstseinszustand, eine Art leichte Trance mitten im Ablauf des Alltags. Für einen Moment, vielleicht auch länger, bekommt das Unbewusste mehr Raum, übernimmt die Regie. Das Rationale tritt zurück, Möglichkeitsräume öffnen sich. Das Innere ordnet sich selbst. Man kommt in eine neue Balance“.

Ob wir es schaffen, wirklich einen nachhaltigen Lebensstil zu entwickeln, hängt also in hohem Maße davon ab, wie wir mit uns selbst umgehen und z.B. eine neue Einstellung zu unseren körperlichen Möglichkeiten gewinnen: „Wir sprechen über die Energiewende und Mobilitätswende. Aber welchen Anteil an unserer Mobilität hat die Bewegung aus eigener Körperkraft, unter freiem Himmel, zu Fuß oder mit dem Fahrrad? Körperliche Anstrengung gerät an den Rand unserer Arbeitswelt, verschwindet auch aus unserer häuslichen Komfortzone. Ist nicht Muskelkraft die elementarste Form der erneuerbaren Energie?“, fragt der Wanderer. Lassen wir uns von ihm animieren!