Die besten Events fangen nicht immer mit einem Businessplan an. Oft beginnen sie mit einer verrückten Idee. Oder einer Leidenschaft und der Idee diese mit anderen Menschen teilen zu wollen. Und all das passiert meistens, ohne nur einen Hauch von Erfahrung in Eventmanagement zu haben. Hier ist unser Interview mit einem der Gründer der SneakerCon, dessen Geschichte ein beeindruckendes Beispiel für genau diese Leidenschaft ist.

Als Alan Vinogradov, sein Bruder Barris und der eher unerwartete Partner, Yu-Ming Wu, die erste SneakerCon im Jahr 2009 auf die Beine stellten, ging es zunächst einmal darum, Menschen zu finden, die von Sneakers genauso besessen sind, wie sie selbst. Sie wussten, dass irgendwo da draußen eine Community an Schuh-Sammlern sein musste, die seltene Paare kaufen, verkaufen und tauschen wollen.

Heute hat die SneakerCon nur noch wenig von dem Underground-Market-Flair von vor 10 Jahren sondern ist zu einem internationalen Phänomen herangewachsen: Mit 13 internationalen Events von Dallas, über Washington, London und Hamburg versammelt die SneakerCon mittlerweile fast 70.000 Menschen pro Jahr.

Die SneakerCon ist heute die weltweit größte Sneaker-Messe – das war aber nicht immer so. Erfahre, wie Alan, Baris und Yu-Ming zu ihrem Erfolg gekommen sind und ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben.

Woher kam euch die Idee aus einem Hobby eine so große Sache zu planen?

Vinogradov: Alles begann 2003 mit einer Reise nach Tokio. Mein Bruder und ich waren dort in vielen edlen Schuhboutiquen, in denen die Schuhe mit viel mehr Sorgfalt behandelt wurden, als wir das aus der Heimat kannten. Einer dieser Läden war A Bathing Ape, der einen Schuh namens Bapesta herstellte. Ich kaufte ein Paar Bapesta und entschied mich später aus einer Laune heraus, sie bei eBay zum Verkauf anzubieten — sie waren sofort verkauft!

In den nächsten vier, fünf Jahren sind wir dann über 30 Mal nach Japan geflogen und haben Bapesta, oder kurz „Bapes“gekauft um sie auf eBay weiterzuverkaufen. Und so entstand unser aller erstes Event 2006, die Soled Out New York. Wir wussten nicht so ganz was wir da gemacht haben — aber es war ein riesiger Erfolg.

2008 postete SneakerNews.com einen der Schuhe, die wir verkauften, gab uns jedoch nicht als Bildquelle an. In einer ziemlich wütenden Nachricht fragte ich nach, wieso sie mein Bild geklaut hatten. Und hier kommt unser unerwarteter Partner Yu-Ming ins Spiel – er war es nämlich, der mir auf meine wütende Mail antwortete. Er entschuldigte sich bei mir und erklärte, dass er ein „Ein-Mann-Team“ ist und da ab und zu Fehler passieren. In seiner E-Mail-Signatur habe ich dann gesehen, dass sein Büro nur weniger Meter von unserem entfernt war. Und dann haben wir uns einfach getroffen.

So erzählte ich Yu-Ming von der Soled Out NYC und was für einen Hype wir damit ausgelöst hatten. Dann wurde es relativ schnell sehr klar, dass wir unbedingt zusammen arbeiten mussten. Ich weiß es noch genau, Yu-Ming sagte: „Das ist eine tolle Idee, let’s do this! Zufälligerweise besitze ich den Domainnamen „SneakerCon.com“.

Wann wusstest du, dass euer Event ein Erfolg wird?

Vinogradov: Ein paar Monate nachdem wir Yu-Ming getroffen hatten, haben wir unsere erste SneakerCon veranstaltet — und sie war ausverkauft. Unsere Leidenschaft für Sneaker geht so tief, dass es für uns nie im Mittelpunkt stand damit Geld zu verdienen. Denn selbst wenn unser Event heute noch die Größe von damals hätte, wären wir mit vollem Elan dabei.

Wir hatten nie das Ziel, irgendwann eine bestimmte Teilnehmerzahl zu erreichen— es ging uns in erster Linie darum, eine echte Sneaker-Community aufzubauen.

Gab es einen Moment, in dem du für dein Event alles auf eine Karte setzen musstest?

Vinogradov: Ja, jetzt gerade. Wir müssen im wahrsten Sinne des Wortes den Einsatz verdoppeln und All-in gehen. Die Sneaker-Kultur wächst, daher gibt es Wettbewerb und Kommerzialisierung. Der Second-Hand-Sneaker-Markt ist zu einem vollwertigen Geschäft geworden und viele Unternehmen investieren viel Geld, um ihren Platz zu sichern.

Wir veranstalten also viel mehr Events und schaffen durch Partnerschaften und die richtige Technologie eine Reihe verschiedener  Event-Erfahrungen. Wir wollen weiter wachsen und unserer Kultur treu bleiben. Alleine für die Community ist es wichtig, dass es die SneakerCon weiter gibt.

Sieh dir diesen Beitrag vom Business Insider auf der größten SneakerCon 2016 in New York an. Yu-Ming berichtet live von der Geschichte der 3 Sneaker-Heads auf dem größten „Turnschuh-Treffen“ der Welt:

Was war dein größter Misserfolg und was hast du daraus gelernt?

Vinogradov: Wir haben die SneakerCon nicht früh genug außerhalb von New York aufgebaut. Vier Jahre lang haben wir unsere gesamte Energie darauf konzentriert, dieses Event in New York zu vergrößern. Erst als wir das erstes Mal aus New York raus, nach Washington gegangen sind, haben wir gemerkt, dass es unser größter Fehler war, nicht früher dorthin zu gehen, um unsere Marke breiter aufzubauen.

Wir haben gelernt, dass wir Märkte im ganzen Land erschließen müssen. Es geht um den  Aufbau einer Community und Kultur, die ganze Städte erfasst.

Jetzt trifft man uns eine Woche vor unserem riesigen Event für 20.000 Menschen zum Beispiel in Berlin bei einem 1.000-Mann-Event. Mir ist es egal, ob unsere Events für 100 oder eine Million Menschen stattfindet – es geht nur darum, die Menschen zusammenzubringen, die eine Leidenschaft teilen.

Was rätst du jemandem, der gerade erst in der Eventbranche angefangen hat?

Vinogradov: Wenn es wirklich deine Leidenschaft ist, dann leg einfach los! Denk nicht an die Risiken, dann wirst du es wohlmöglich nie machen. Aber du wirst auch nie erfahren, ob du damit erfolgreich gewesen wärst.

Das Wichtigste ist, aggressiv zu sein und immer nach vorne zu gehen. Ich wünschte, wir hätten früher auf andere Märkte gesetzt und das Geschäft schneller ausgebaut.

Nutze den Moment. Folge deiner Leidenschaft.

Vinogradov fragt sich oft, wo die SneakerCon heute wäre, wenn sie früher mehr Risiken eingegangen wären. Wenn auch du eine Leidenschaft hast und sie mit anderen teilen möchtest — dann warte nicht.

Egal, ob du gerne seltene Sachen sammelst oder online mit Menschen über ungewöhnliche Themen diskutierst, ist dies deine Gelegenheit, eine brandneue Art von Event auf die Beine zu stellen und viele Leute zusammen zu bringen.