„We love games. We love games culture. We fuel games business and we are geeks for game technology.“ Mit diesem Statement werden die Besucher der International Games Week Berlin 2017 begrüßt.

Ich habe mich mit dem Gründer der International Games Week Berlin über die Herausforderungen, das Marketing und die Umsetzung der Veranstaltung unterhalten:

Michael Liebe

Hallo Michael, stelle dich doch bitte erst einmal vor: Wer bist du und was machst du?

Ich bin Gründer und Geschäftsführer von Booster Space, dem Unternehmen hinter der #gamesweekberlin und vielen anderen Veranstaltungen und Projekten zu Themen wie Games, Virtual Reality und gesellschaftlicher Wandel.

Wer gar keine Ahnung hat und mit der Klischee-Keule an euer Event geht, vermutet bei der Games Week Berlin eventuell eine einwöchige Lan-Party. Was steckt wirklich dahinter?

Eine Woche LAN-Party wäre eigentlich auch eine gute Idee, bin ich noch gar nicht drauf gekommen! Aber jetzt erstmal #gamesweekberlin. Das ist eine Dachmarke, die jedes Jahr um die zehn Veranstaltungen zum Thema Gameswirtschaft, -technologie und -kultur verbindet. Dazu gehören etwa VIP-Events wie das Opening Summit oder das Matchmaking Dinner. Dann gibt es Fachveranstaltungen wie die Entwicklerkonferenz Quo Vadis oder die A MAZE. / Berlin, das ist ein Game-Art-Festival. Gamer kommen auch auf ihre Kosten, mit dem Making Games Festival, dem Gamefest am Computerspielemuseum und dem Game Cinema. Damit bieten wir für jede Zielgruppe authentische und fokussierte Veranstaltungen, für Branchenprofis genauso wie für Fans, Let’s Player und Familien.

Computerspiele sind also schon lange nicht mehr nur etwas für Nerds und Geeks. Hinter diesem Vorurteil versteckt sich mittlerweile eine Branche mit Umsätzen in Milliardenhöhe. Versucht ihr dieses Image mit der Games Week Berlin in Deutschland ein bisschen zu erneuen?

Nicht nur ein bisschen. Das ist einer der Hauptgründe dafür, warum wie die #gamesweekberlin so vielschichtig aufziehen. Computerspiele sind kein reines Wirtschaftsgut, sie sind nicht nur sinnfreie Unterhaltung – sie sind Wirtschaft, Technologie und Kultur. Sie verbinden nahezu alle Elemente moderner Medien: sie sind digital, sie sind online, sie sind interaktiv, sie sind Bewegtbild, sie haben Sound, sie kommunizieren Inhalte, Aussagen und Geschichten, sie können lehrreich sein, sie können disruptiv sein, sie können technologischen Fortschritt beflügeln. Oft vergessen wird auch innerhalb des Fachdiskurses, wie vielschichtig unser Medium eigentlich ist. Um eine Analogie zum altehrwürdigen geschriebenen Wort zu ziehen: Vom Kreuzworträtsel bis zum Roman oder Fachbuch ist alles dabei.

Inwiefern spielt der Standort Berlin eine Rolle bei der #gamesweekberlin?

Wir heißen nicht ohne Grund #gamesweekberlin, bzw. in Langform: International Games Week Berlin. Berlin ist einer der wichtigsten Hotspots der Szene weltweit. Berlin ist ein internationaler Standort. Berlin macht Spaß. Deswegen wollen wir auch Berlin erlebbar machen und konzentrieren die Veranstaltungen nicht alle an einem Ort. Events der Gameswoche finden in Kreuzberg, Friedrichshain, Schöneberg und Mitte statt. Sogar draußen in Oberschöneweide gibt es eine Partnerveranstaltung an der HTW. Wer die Events besuchen will, erkundet auch Berlin.

Was sind die Herausforderung für einen Veranstalter, wenn man nicht nur ein zentrales Event veranstaltet sondern eine ganze Woche voller Events?

Hui, da könnte ich ein ganzes Lehrbuch drüber schreiben. Herausforderungen gibt es sehr viele. Aber ebensoviele Chancen. Am Wichtigsten ist, dass wir über die Bündelung der Veranstaltungen eine erhöhte Sichtbarkeit schaffen, die noch strahlkräftiger ist als die Summe ihrer Teile. Die Kunst besteht darin, eine gute Balance zwischen Wettbewerb und Kooperation zwischen den einzelnen Veranstaltern, den Interessen der Hauptstadtregion, der Dachmarke und den Teilnehmern zu schaffen. Jedes Event hat für sich seine Strategie, sein Profil und seine Organisationsstruktur. Die sind teilweise sehr unterschiedlich und auch in der Preisgestaltung der Tickets teilweise dramatisch anders. Dadurch sind sozusagen 10 Euro nicht gleich 10 Euro. Für den einen Veranstalter ist das ein Zehntel des Preises, für den anderen ist das das volle Ticket. Von daher müssen wir sehr gezielt die Unique Selling Points der Events herausarbeiten und hervorheben und entsprechend den Besuchern vermitteln. Das heißt viel Email, viel Social Media, viel Absprachen.

Wie hilft euch Eventbrite dabei genau diese Herausforderungen zu meistern?

Das ist relativ einfach: Dadurch, dass wir und auch die einzelnen Veranstalter sehr gerne mit Eventbrite zusammenarbeiten, können wir alle auf dasselbe Ticketing-System zurückgreifen. Die Webseitenintegration ist einheitlich, die Code-Systeme sind einheitlich, ebenso das Look & Feel. Die Partnerschaft zwischen Eventbrite und der #gamesweekberlin ist sozusagen ein vereinheitlichendes Bindeglied zwischen der bunten Vielfalt der Events.

Mit Eventbrite hast du die Möglichkeit, nützliche Teilnehmerdaten zu erhalten und zu analysieren. Welche Daten sind da für euch besonders interessant? 

Uns interessiert natürlich am meisten, woher die Ticketkäufe und Registrierungen kommen. Gerade weil uns Cross-Promotion und Multiplikation zwischen den Events sehr wichtig ist.

Nutzt ihr diese Daten, um euer Marketing oder die Organisation im Folgejahr zu verbessern? 

Ja, wobei das jeder Veranstalter in der Woche unterschiedlich handhabt. Für mich ist schön zu sehen, wie gut die Empfehlungsalgorithmen bei Eventbrite funktionieren. Dadurch kann man als Veranstalter schon sehr früh den Shop online stellen, ohne dass man gleich auch das Marketing und die Kommunikation oder die ersten Programmpunkte bereit haben muss.

Im April ist es bald schon wieder soweit: Was erwartet uns bei der Games Week Berlin 2017?

Eine ziemlich bunte Vielfalt: Entwicklerinnen und Entwickler, Gamer aller Altersstufen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die politische Prominenz, dazu Investoren, Publisher und Multiplikatoren. Die Kernveranstaltungen sind die Fachkonferenz Quo Vadis. create.game.business (24.-26. April), das Festival A MAZE. / Berlin (26.-29. April), das Gamefest am Computerspielemuseum (28.-30. April) sowie das VIP Matchmaking Dinner (25. April). Die Woche wird am 24. April mit einem hochrangig besetzen Opening Summit eröffnet. Partnerveranstaltungen für Gamerinnen und Gamer sind das Making Games Festival (24.-26. April), das Local-Multiplayer Turnier Game Cinema (29. April) und Womenize! Tech, Digital Business and Media (27. April); sowie für Fachbesucher: Researching Games Barcamp (28.-29. April) und APITS Day (27. April). Am 26. April wird in einer feierlichen Gala der Deutsche Computerspielpreis (DCP) verliehen.   

Wir merken, dass es auch bei Veranstaltungen immer mehr um Communities und Experiences geht. Das heißt, dass auch Fachveranstaltungen einen gewissen Erlebnischarakter bieten müssen. Gleichzeitig müssen sie den Spagat zwischen professionellem Mehrwert und freundschaftlichem Austausch bieten. Consumer werden immer anspruchsvoller was Professionalität in Vorbereitung und Ablauf angeht. Daher glaube ich auch an eine immer wichtiger werdende Online-Auswertung von Veranstaltungen. Wir können und wollen nicht mehr alle ständig in der Welt rumjetten. Dank Virtual-Reality-Technologien kann das, was der traditionelle Live-Stream nicht bieten konnte, (potentiell) auch remote geboten werden: das Erlebnis des Dabei-gewesen-seins könnte richtig integriert auch in erweiterte Realitäten übertragen werden.