TINCON Veranstalter Johnny Haeusler über sein Festival für digitale Jugendkultur

Hallo Johnny, stell dich doch mal kurz vor!
Hallo, ich bin Johnny Haeusler.

Als Gründer der re:publica bist du wahrscheinlich den meisten Leuten ein Begriff!  Du hast nun auch die TINCON ins Leben gerufen. Was ist die TINCON und wie kam es dazu?

Ähnlich wie die re:publica ist die TINCON aus einem Bedürfnis heraus entstanden. Meine Frau Tanja und ich hatten 2012 unser Buch “Netzgemüse – Aufzucht und Pflege der Generation Internet” (einen Elternratgeber) veröffentlicht. Bei den folgenden Lesungen und Vorträgen vor Eltern, Lehr- und Erziehungskräften haben wir festgestellt, dass Kultur junger Menschen, die vor allem durch digitale Medien wie Whatsapp und Videogames geprägt ist, eine ganz andere ist, als die der Erwachsenen. Ihrer Welt wird unheimlich viel Misstrauen und Argwohn entgegen gebracht.

Wir fanden, dass dieser für Jugendliche selbstverständlichen Kultur, viel zu wenig Raum gegeben wird und dass diese Kultur zu selten gefeiert wird. Jugendliche eignen sich durch die Nutzung digitaler Werkzeuge und Techniken ganz unbewusst wichtige Kompetenzen für ihre nahe, auch berufliche  Zukunft an. Sie werden dabei aber von Eltern und Lehrkräften viel zu wenig unterstützt. Denn aus Sicht der Erwachsenen ist das Digitale in der Regel irgendwie verboten, blöd und sinnlos. Und das, obwohl Wirtschaft und Politik diese Unterstützung der Jugend in dieser Hinsicht fordern.

Also haben wir die TINCON ins Leben gerufen. Sie wird letztendlich, wie auch die re:publica, eine Konferenz mit Festival-Charakter sein. Hier wird die aktuelle Jugendkultur einerseits mit viel Spaß und Tammtamm gefeiert, andererseits aber auch durch Präsentationen, Vorträge und Workshops diskutiert, hinterfragt und verhandelt. Wir erhoffen uns ein neugieriges Publikum, das durch die TINCON dazu inspiriert und motiviert wird, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

Die TINCON wird dabei, das ist sehr wichtig, eine Veranstaltung allein für 13- bis 21-Jährige sein – denn Events für Erwachsene gibt es ja genug!

Worin liegen die größten Herausforderungen bei der Organisation einer Veranstaltung dieser Art?

In der tollen, aber auch herausfordernden Heterogenität der Zielgruppe. Als wir vor einem Jahrzehnt mit der Planung der re:publica begonnen haben, konnten wir auf unsere eigene kleine Filterblase zurückgreifen. So kontaktierten wir unsere ersten Gäste, Sprecherinnen und Sprecher. Bei Jugendlichen ist das nicht ganz so leicht: sie sind zwar sehr gut, aber sehr dezentral vernetzt.

Des Weiteren achten wir darauf auf Augenhöhe zu kommunizieren. Die TINCON wird sich nicht anbiedern und erst recht nicht wertend über die Teenager stellen. Damit wir nicht an ihnen vorbei planen, haben wir einen Jugendbeirat in unsere Planung integriert. Er besteht derzeit aus rund einem Dutzend Teenagern zwischen 13 und 20 Jahren, die uns beraten.

Wie genau nutzt ihr Eventbrite um diese Herausforderungen zu meistern?

Ich selbst habe Eventbrite schon sehr oft als Gast verschiedener kleiner und großer Events kennengelernt. Ich mochte die Einfachheit und Mobilität, die mir durch die App geboten wurde immer sehr.

Gerade das Ticket auf dem Smartphone war für uns ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des Ticket-Partners für die TINCON. Wir möchten die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf keinen Fall mit PDF-Tickets langweilen. Die gute Facebook-Integration und das übersichtliche und immer aktuelle Backend haben uns dann zusätzlich von Eventbrite überzeugt.

Wie erreicht man eine so junge Zielgruppe am besten? Hast du hier Insights?

Als wir im Herbst 2015 unseren ersten größeren Workshop mit dem Jugendbeirat gemacht haben, haben wir die Jugendlichen gebeten, ihren Tagesablauf zu skizzieren. Wir wollten herausfinden, an welchen Stellen wir für die TINCON werben müssten. Schule war klar, öffentliche Verkehrsmittel haben uns auch nicht überrascht.

Sehr wohl aber die Tatsache, dass der Begriff “Zahnarzt” sehr oft auftauchte. Es gibt wohl kaum einen Teenager, der nicht dauernd beim Kieferorthopäden sitzt. Wir haben also entschieden Flyer in Zahnarztpraxen auslegen! Des Weiteren kooperieren wir mit Medien, die sehr nah an der Zielgruppe sind. Dazu möchte ich aber noch nicht allzu viel verraten…

Und zu guter Letzt: Welche Veranstaltung hat dich persönlich in letzter Zeit besonders begeistert?

Ich bin einerseits auf zu vielen, meist Business-Events, andererseits komme ich zu selten raus. Und das, obwohl in Berlin dauernd etwas Spannendes passiert, auch außerhalb der eigenen digitalen Blase. Wenn ich Zeit habe, gehe ich ehrlich gesagt am liebsten auf Konzerte. Zuletzt hat mich Henry Rollins mit seiner Spoken-Word-Tour begeistert.[Photo Credit: re:publica/Gregor Fischer]