Man sollte meinen, dass der Wille zu mehr Nachhaltigkeit schon lange in der breiten Masse angekommen ist. Doch während sich Greta Thunberg mit “Fridays for Future” zur Ikone einer ganzen Generation aufgeschwungen hat, wurde auch im Festivalsommer 2019 munter weitergefeiert und weggeworfen, als ob es kein Morgen gäbe. 

Dabei verursacht ein Musikfestival mit 18.000 Besuchern in nur wenigen Tagen ähnlich hohe CO2-Emissionen wie eine vergleichbar große Kleinstadt – in einem ganzen Jahr (siehe utopia.de). Die Festivalbesucher produzieren nämlich zusätzlich zu den Abgasen von ihrer  An- und Abreise mehrere Tonnen Abfall: Verpackungen, Plastikbecher, Glitter, Konfetti, Plastikflaschen, und nicht zuletzt tausende herrenlose und so gar nicht mehr taufrische Zelte und Schlafsäcke. Die vermeintlich sorgenfreie Festivalsause hinterlässt oft einen bedenklichen Müllberg. 

Dabei ist Nachhaltigkeit auch bei Besuchern von Festivals ein Thema: In einer unserer repräsentative Umfragen kam heraus, dass es 75 Prozent der befragten Besucher wichtig ist, dass es Wasserspender und Recyclingmöglichkeiten auf dem Festivalgelände gibt, und ob dort Plastikmüll vermieden wird. Sprich: es gibt einen Bedarf für nachhaltigere Festivals. Für Veranstalter ist das  eine Chance. Mit einem umweltfreundlicheren und verantwortungsbewussten Festival können sie sich von Konkurrenzveranstaltungen abheben und neue Fans gewinnen.

Gibt es nachhaltige Festivals?

Ein Festival im strengen Sinn nachhaltig zu gestalten, also so, dass sich das Festival quasi selbst unterhält und alle verbrauchten Rohstoffe natürlich nachwachsen können, ist fast unmöglich. Eine Großveranstaltung erzeugt zwangsläufig Emissionen, und ob Künstler und Fans auch wirklich nachhaltig zum Festivalgelände reisen, kann ein Veranstalter kaum beeinflussen. Realistischer, wenn auch nicht ganz einfach, ist ein klimaneutraler Ansatz, der die schlimmsten Umweltsünden wieder ausgleichen kann. 

  • Hier sind ein paar handfeste und leicht umzusetzende Tipps für  möglichst klimaneutrale Festivals:Location-Auswahl: Können Besucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Shuttlediensten zum Gelände gelangen? Wer auf Autos verzichten kann, schont nicht nur die Umwelt, sondern vermeidet obendrauf das übliche Verkehrschaos. CO2-Emissionen, die beispielsweise durch den Transport von internationalen Künstlern verursacht werden, können mit Spenden an Initiativen für z.B. den Ausbau erneuerbarer Energien kompensiert werden. 
  • Energiekonzept: Versteht sich fast von selbst, dass der Strom für ein klimaneutrales Festivals von einem Ökostrom-Anbieter kommen sollte. Generell sollte nochmal überdacht werden, ob man an der Beleuchtung, Bühnentechnik, Klimaanlagen oder auch bei der Beschallung sparen kann, ohne die Stimmung und Atmosphäre zu stören.
  • Abfallvermeidung: Mit biologisch abbaubarem Einweggeschirr kann man unnötigen Plastikmüll reduzieren Eine weitere erfolgreiche Maßnahme, die schon bei einigen Formaten eingeführt wurde, ist der Müllpfand. Hier werden Besucher belohnt, die einen vollen Müllbeutel zurückbringen.
  • Wasserversorgung: Um Wasser zu sparen, sollten wassersparende Armaturen eingesetzt werden, und gegen den Durst der Fans können mitgebrachte Flaschen an Wasserstationen aufgefüllt werden. Beim Putzen sollten biologisch abbaubare Reinigungsmittel eingesetzt werden.
  • Gastronomie: Essen und Getränke sollten aus der Region kommen, und am Besten biologisch angebaut /hergestellt worden sein. Wer es richtig ernst mit Nachhaltigkeit meint, solle zudem  vegetarische und vegane Optionen anbieten.

Education: Nur zusammen geht’s

Diese fünf Maßnahmen bieten zwar eine solide Basis, die es Besuchern erleichtert klimaneutraler zu feiern. Doch wenn es um Nachhaltigkeit geht, ist vor allem Kooperation und Mitarbeit gefragt. Daher sollte der Veranstalter von Anfang an das Thema Nachhaltigkeit in Marketing, Programmplanung und Angebote einbinden. So kann man nicht nur längerfristig Aufklärung betreiben, sondern motiviert sein Publikum auch dazu, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen, z.B. bei der Anreise.

Zum Stichpunkt Education gehört auch das Bereitstellen einer Packliste. Dadurch kann wiederum unnötiger Müll eingespart werden. Mehrwegbecher, eine oder zwei verschließbare Dosen, Campingbesteck oder auch ein guter Regenschutz, um die Wegwerf-Plastik-Ponchos einzusparen, sollten unbedingt mit auf die Liste. 

Dass man seine Kunden auf Augenhöhe begegnen sollte, gilt auch für die Festivalbranche. Daher sollte der Veranstalter großen Wert auf Transparenz der Handlungen legen. Besucher sollten nicht nur ausreichend darüber informiert werden, dass es bereits erste Lösungen in Sachen Nachhaltigkeit gibt, sondern auch wissen, warum der Veranstalter sich für diese Maßnahmen entschieden hat. Vor allem sollte klar kommuniziert werden, dass Nachhaltigkeit für jeden leicht umzusetzen ist – ohne auf Spaß und Ausgelassenheit auf dem Festival verzichten zu müssen.

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit gibt es bei der Eventreihe Future of Festivals am 07. November von Eventbrite zu hören. Bei den Veranstaltungen im Eventbrite-Büro in Berlin Kreuzberg kommen in regelmäßigen Abständen Festivalveranstalter, Experten der Musikindustrie und Journalisten zusammen, um die Zukunft der Festivallandschaft zu diskutieren – unter anderem auch Nachhaltigkeitsaspekte.