Theoretisch sind Frauen und Männer gleichberechtigt. Theoretisch. In der Praxis jedoch zeigt sich ein anderes Bild. Denken wir nur an Seehofers Männer-Kabinett oder an das  Verhältnis in den Vorständen deutscher börsennotierter Unternehmen: Eine Frau, 13 Männer – im Schnitt. Noch immer verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer. Der unbereinigte Gender Pay Gap beträgt 21 Prozent, der Gender Pension Gap sogar 53 Prozent.

Und auch auf den Bühnen dieser Welt stehen häufig Männer. Doch das muss nicht sein, denn auch du kannst zu einem ausgewogenen Speaker-Verhältnis beitragen. Wie dir das gelingt und warum überhaupt die richtige Speakerwahl so wichtig ist, erfährst du in diesem Artikel.

Warum brauchen wir überhaupt mehr Frauen auf der Bühne?

Eigentlich sollte das gar keine Frage sein. Eigentlich. Nun, offensichtlich ist es eine. Hier sind ein paar gute Gründe, warum wir einfach mehr Sprecherinnen brauchen:

  • Unsere Gesellschaft besteht zu ungefähr gleichen Teilen aus Männern und Frauen. Genauer gesagt leben sogar 2 Millionen mehr Frauen als Männer in Deutschland. Da liegt es doch nur nahe, dieses Verhältnis auch auf der Bühne abzubilden, oder?
  • Diverse Teams erbringen einfach bessere Leistungen. Das gilt sowohl für das gesamte Unternehmen als auch für die Besetzung von Spitzenpositionen.
  • Menschen auf Bühnen sind unsere Vorbilder. Wir hören ihnen besonders aufmerksam zu und wir verinnerlichen ihre Botschaften. Wollen wir Themenvielfalt und einen bunten Botschaften-Mix erreichen, brauchen wir auch die weiblichen Vorbilder. So prägen wir auch das Meinungsbild der jüngeren Zielgruppen inklusive dem unserer eigenen Kinder. 

Du siehst, Gründe für Frauen auch in deinem Vortragsprogramm gibt’s genug. Übrigens: Wusstest du, dass die Macher der re:publica bereits heute so ein ausgewogenes Programm auf die Beine stellen? 2018 traten dort 336 Frauen und 335 Männer auf. “Und das ist kein Zufall sondern das Ergebnis einer gezielten Auswahl.” verrät Jeannine Koch, re:publica-Chefin.

>> Hier findest du alles rund um Speaker-Management!

Wie du als Eventmanager mehr Frauen auf die Bühne holst

  • Sei dir der Herausforderung des ungleichen Bühnenbildes bewusst. Manchmal merken wir gar nicht, wen wir da so anfragen. Und schwups stehen wieder ausschließlich Männer auf der Bühne.
  • Gleich und gleich gesellt sich gern. Fragst du vor allem Männer nach Empfehlungen für Speaker bekommst du schnell Personen genannt, die ihnen ähnlich sind. Also Männer. Auch hier gilt: Oft sind wir uns unserer Denkmuster gar nicht bewusst. Deshalb frage bei deiner Recherche auch gezielt nach Frauen.  
  • Frauen sind tendenziell zögerlicher und neigen zu Perfektionismus. “Was, ich soll eine Expertin sein? Darüber wissen doch andere viel mehr. Außerdem ich hab doch gar keine Vortragserfahrung…” Sie brauchen also ein wenig mehr Zeit und ein wenig mehr Zuspruch. Du könntest bei deiner Anfrage beispielsweise einfließen lassen, dass du schon so viel Gutes über sie als Expertin auf einem bestimmten Gebiet gehört hast. Auch die oben schon erwähnte Empfehlung solltest du bei Frauen auf jeden Fall in die Anfrage reinpacken. Und dann gib ihnen einfach ein wenig mehr Bedenkenszeit. Diese zusätzliche Zeit musst du natürlich als Puffer in deinen Zeitplan einrechnen.

    Generell, also auch bei der Ansprache von männlichen Referenten gilt: Je früher du anfragst, desto besser. Das können mitunter 6 bis 12 Monate Vorlaufzeit sein.
  • Stelle dich auf mehr Nachfragen ein. Wie schon erwähnt, neigen Frauen zu Perfektionismus. Das betrifft natürlich auch die Vorbereitung ihres Vortrags. Briefe Frauen besonders gut und nimm dir die Zeit für Abstimmungsgespräche.
  • Es muss nicht immer der Geschäftsführer sein. Klar, große Namen und Titel auf Visitenkarten klingen vielversprechend. Doch manchmal reden da Leute über Dinge, die sie operativ nie umgesetzt haben. Wie viele Geschäftsführer in deutschen KMUs kennst du, die sich beispielsweise mit Social-Media-Marketing wirklich auskennen? Wäre es nicht viel spannender deine Speakerwahl auf operative Ebene zu richten? Und auf dieser Ebene gibt es auch gleich viel mehr Frauen. Noch zumindest 😉 
  • Ach ja und frag Frauen für dein Programm nicht bloß an, damit du eine Quote erreichst. Denn das merken Frauen im Allgemeinen recht schnell. Frage sie an, weil sie etwas Spannendes und Nützliches beitragen können. Davon profitiert auch deine Veranstaltung.

Fazit zur gerechten Speakerwahl:

Gerechte Speakerwahl ist sicherlich nicht die einfachste Aufgabe. Doch ganz bestimmt findest du auch für deine Veranstaltungen Frauen, die etwas zu sagen haben. Jetzt liegt es an dir, sie zu finden und ein wenig anders anzusprechen als die Männer. Viel Erfolg!