Die besten Events fangen nicht immer mit einem Businessplan an. Oft beginnen sie mit einer verrückten Idee. Oder einer Leidenschaft und dem Wunsch diese mit anderen Menschen zu teilen.

Hier ist ein Interview mit Daniela Borchert, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Markus Borchert das Comic-Con-Konzept erstmals nach Deutschland geholt hat. Innerhalb kürzester Zeit haben sie tausende von Fans in die Messehallen deutscher Großstädte geholt und mit ihren Lieblingsstars vereint.

Obwohl keiner der beiden Gründer aus dem Eventmanagement kam, legten sie mit der German Comic Con eine wahre Meister-Performance hin, auf die Daniela heute immer noch etwas ungläubig zurückschaut. Dieses Jahr feiern sie im Dezember in Dortmund als erste Comic Con in Deutschland mit über 80 Hollywood Stars ihre fünfte Edition!

Mit einer großen Portion Mut und Motivation hat das Paar es geschafft, mit ihrer jährlichen German-Comic-Con-Veranstaltungsreihe, u.a. in Dortmund, Berlin und München, sowie weiteren Special-Interest-Conventions, u.a. das Weekend of Hell, zum Marktführer zu werden und Berühmtheiten wie Pamela Anderson, Charlie Sheen, Lena Headey, David Hasselhoff oder Chuck Norris und Steven Seagal auf die deutsche Bühne zu holen.

Wie kamt ihr dazu, die German Comic Con zu starten? 

Markus und Daniela mit Pamela Anderson

Die Idee dazu kam eigentlich schon 2014. Zu der Zeit war ich Produktmanagerin bei einem DVD und Blu-ray Label und habe die US-Produktion „The Walking Dead“ betreut. Dadurch bin ich das erste Mal auch mit Conventions in Kontakt gekommen – in diesem Fall als Teil der Marketingstrategie.

Kurz darauf – im März 2015 – haben Markus und ich unsere erste Comic Con besucht. Das fanden wir super cool und haben gesagt:

„Das muss es auch in Deutschland geben – wir machen das!” 

Im Prinzip fiel damit der Startschuss und es ging los. Am 1. April 2015 haben wir die Facebook-Seite  der German Comic Con erstellt. 

Wann wusstest ihr, dass die German Comic Con ein Erfolg wird?

Das war tatsächlich schon ziemlich am Anfang. Wir haben die Veranstaltung veröffentlicht und binnen weniger Tage hatten wir über 5.000 Facebook Likes. Allerdings haben die Leute es aufgrund des Datums für einen Aprilscherz gehalten, was aber absoluter Zufall war.

Es sollte auch wirklich nur die Ankündigung “Achtung: Comic Con kommt nach Deutschland” sein. Wir hatten zu dem Zeitpunkt weder eine Location, noch ein Datum. Ein paar Gewinnspiele und Umfragen auf der Facebook-Seite haben uns geholfen den Wünschen der Fans näher zu kommen.

Wir hatten das Gefühl, die Leute haben eigentlich nur darauf gewartet, dass die Comic Con nach Deutschland kommt. Daher war es auch kein Wunder, dass die erste Veranstaltung am Ende wirklich ausverkauft war.

Zu Beginn haben wir noch Hardcover Tickets selbst gedruckt und per Post verschickt. Das wurde natürlich schnell viel zu viel und wir brauchten einen digitalen Ticketanbieter. So sind wir dann schließlich bei Eventbrite gelandet.

Gab es einen Moment, in dem ihr für die German Comic Con alles auf eine Karte setzen musstet?

Definitiv! Als wir mit 0€ Eigenkapital angefangen haben und alles refinanzieren mussten. Das hätte ganz schön in die Hose gehen können, aber durch die starken Ticketumsätze haben wir es geschafft.

Alleine hätte ich mich das gar nicht getraut. Wir kommen ja auch beide überhaupt nicht aus dem Event Bereich und sind da so reingeschlittert. Total verrückt. Jedes Mal wenn ich das erzähle, denke ich, wie irre wir eigentlich waren. Das ganze Risiko und komplettes Neuland…

Trotzdem darf man eins nicht vergessen; das Ganze sieht von außen immer so einfach aus: Einfach mal eine Halle mieten, ein paar Stars buchen und Händler & Cosplayer akquirieren, fertig. 

Das war 2015 auch mehr oder weniger so. Allerdings hat sich der Convention Markt die letzten fünf Jahre, natürlich auch durch uns, extrem verändert. Das Ganze bringt eine unglaubliche Menge Arbeit mit sich und nicht zuletzt natürlich auch ein sehr großes finanzielles Risiko; das ist Russisch Roulette.

 Die Gagen der Stars habe sich in den letzten fünf Jahren teilweise verdoppelt oder sogar verdreifacht und Vorverkäufe rutschen immer weiter nach hinten. Vor allem 2017 war ein sehr dunkles und schweres Jahr für uns. Wenn man nicht die nötigen Rücklagen und Partner hat, kann da auch einiges schief laufen und es gibt leider auch genug schwarze Schafe in der Convention Szene, die immer wieder zeigen, wie es nicht zu laufen hat.

Wir arbeiten mittlerweile im Office Vollzeit mit fünf Leuten fünf Tage die Woche das ganze Jahr an unseren Events. Hinzu kommen noch einige Freelancer, die uns hier und da unterstützen. Trotzdem behalten wir nach wie vor unseren Fan-Character bei, eben von fans, für fans! Wir haben Conventions mit unseren Events Mainstream-tauglich gemacht. Und darauf sind wir wirklich sehr stolz.

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Was war dein größter Misserfolg und was hast du daraus gelernt?

Was mir auf jeden Fall auf Ewig in Erinnerung bleiben wird, ist die erste German Comic Con Dortmund 2015. Da hatten wir um die 30.000 Besucher über das Wochenende. Naiv wie wir warten, dachten wir,  die Leute kommen über den Tag verteilt – dem war natürlich nicht so. Die Leute waren alle Morgens um Punkt 9.00 Uhr da.

Der ganze Vorplatz der Location war voll und es kam schnell zu einer drei Kilometer langen Schlange – von der Halle den kompletten Weg bis zum Bahnhof. Die Leute konnten teilweise nicht mehr aus der Bahn aussteigen, weil der ganze Bahnsteig voll war. Das hing allerdings auch damit zusammen, dass parallel zur Comic Con am gleichen Tag noch ein wichtiges Fußballspiel in Dortmund stattfand. 

Die zweite Sache, die schief lief, fand nicht draußen, sondern drinnen statt. Auf unseren Events kannst du Fotos mit den Stars machen und bekommst das Bild direkt ausgedruckt, um es unterschreiben zu lassen. Da war natürlich ein riesengroßer Ansturm und noch dazu hatten wir Probleme mit den Druckern und kamen irgendwann nicht mehr hinterher. Dadurch hat sich alles gestaut und wir haben die Fotos erst sammeln müssen und konnten sie erst später verteilen. Das hatte zur Folge, dass ganz viele Leute Samstag Abend bis 22.00 Uhr diese Fotos verteilt haben.

Diese beiden Dinge sind wirklich nicht cool gelaufen und führten am Ende zu einem totalen Shitstorm auf Social Media.

Was war das wichtigste Learning, das du aus den letzten Jahren German Comic Con mitgenommen hast? 

Auf jeden Fall:  Social Media Kritik und Kommentare kann man schon ab und zu mal lesen, man sollte sich aber auch nicht zu sehr davon beeinflussen lassen. Ich bin da manchmal etwas zu emotional und „pöbel“ hin und wieder auch gerne zurück. Soll man natürlich nicht machen, weiß ich, aber manchmal kann ich einfach nicht anders. Kommt verständlicherweise nicht ganz so gut an – deswegen habe ich offiziell auch Facebook-Verbot.

Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, welchen Rat würdest du euch bezüglich German Comic Con geben? 

Ich glaube, ich könnte uns da gar nicht so recht – den einen Rat – geben. Das war damals einfach die richtige Zeit und der richtige Ort. Ich glaube das heute noch mal so aufzubauen wäre schwierig. Wir schienen da den richtigen Nerv getroffen zu haben und ich würde es alles wieder so machen.

Deinen Traum zum Beruf machen? Kannst auch du!

Daniela und Markus‘ Geschichte der German Comic Con, ist ein tolles Beispiel dafür, dass man verrückte Ideen manchmal einfach umsetzen sollte. Sie zeigt, dass man mit einer Kombination aus Leidenschaft, viel Arbeit, Selbstvertrauen und Mut ein Event-Geschäftsmodell entwickeln kann.

Hast du auch eine Leidenschaft oder Begeisterung, aus der du gerne mehr machen möchtest? Bist du nach dem Lesen dieser Erfolgsgeschichte umso motivierter, deine Idee endlich anzupacken? Warte nicht mehr ab und beginne sofort und mit vollem Elan! Nutze dazu Eventbrite, um die Leute zu erreichen, die deine Leidenschaft teilen.