Das bewegt die Food-Szene in diesem Jahr – die Food-Trends und Events der Stunde

Beim BriteDay haben wir acht Experten aus Berlin zu den wichtigsten Trends der Food-Szene befragt. Was setzt sich durch, was verschwindet? Verschiedenste Blogger und Unternehmer, wie Frank Spindler (Restaurant SPINDLER), Till Neatby (Marley Spoon) oder Per Meurling (Berlin Food Stories) haben ihre persönlichen Einschätzungen mit uns geteilt.

Dass die Berliner Food-Szene beliebter und vielfältiger ist denn je, dürfte inzwischen an niemandem mehr vorbeigegangen sein, der die Stadt regelmäßig besucht oder hier lebt. In der Presse war vor einiger Zeit sogar zu lesen: „In Berlin, food is the new party“, und auch der BriteDay stand unter dem Motto „Food und Events“.

Doch welche Trends halten die Akteure der Szene für die interessantesten und vielversprechendsten? Welche Angebote nutzen sie selbst?

Frank Spindler ist eine etablierte Größe in der Berliner Gastronomieszene. Nach Spindler & Klatt, dem Sage Club und dem thailändischen Restaurant Chan, hat er Anfang Januar gemeinsam mit der Modedesignerin Karolina Preis sein neues Restaurant SPINDLER eröffnet. Über ein Jahr haben die Renovierungsarbeiten an dem Laden, der sich in einem alten Gewerbekomplex am Kreuzberger Paul-Linke-Ufer befindet, gedauert. Beim BriteDay stellten sie das neue Projekt vor und erzählten, welche Veränderungen die Branche aktuell beeinflussen:

1. Frank Spindler:

„Die Qualität des Essens ist ein Thema, was sich durchsetzt. Die Leute achten heute stärker darauf, was auf dem Teller liegt und nicht mehr so sehr darauf, wie viel es kostet. Das hat sich total gewandelt. Außerdem ist die Experimentierfreude größer geworden. Auch fleischloses Essen ist viel mehr gefragt. Das berücksichtigen wir auch ganz stark bei uns.“

2. Karolina Preis:

„Die vegetarische Küche ist innovativer und das Angebot ist deutlich größer geworden. Und Essengehen wird heute viel mehr zu einem Erlebnis. Man will nicht einfach nur gut essen, man will das auch in guter Atmosphäre tun.“

Auch das vielfältige Angebot, das die Gastronomieszene in den letzten Jahren hervorgebracht hat, wird von den beiden Unternehmern genutzt:

„Wir gehen gucken, auf jeden Fall. Wenn du einen Laden machst, der am Puls der Zeit ist, gehört das dazu. Berlin hat sich in den letzten zehn Jahren total entwickelt und ich glaube das ganze Essensthema geht gerade erst richtig los. Berlin ist ein Magnet für Leute aus der ganzen Welt. Die bringen ihre Geschmäcker und Erfahrungen mit.

Das merken wir auch bei uns im Restaurant, das Publikum ist sehr durchmischt. Ich habe das Gefühl, das immer mehr über Essen gesprochen wird.“

 

3. Marie Baer ist Head of Community bei Kitchenstories. Die App bietet Rezepte und Koch-Videos in über 12 verschiedenen Sprachen an und wurde weltweit mehr als 4 Millionen mal heruntergeladen. Für ihren Job ist Marie kürzlich von Großbritannien nach Berlin gezogen. (@mariethebaer und @1kitchenstories)

„In Berlin ist Street Food wichtig geworden. Es gibt ein vielfältiges Angebot in Markthallen und Popup-Restaurants. Essen findet viel mehr außerhalb stereotypischer Restaurants statt. Außerdem kochen die Leute wieder mehr im privaten und achten stärker darauf, was sie dafür verwenden. Regionale und saisonale Zutaten sind zum Beispiel stärker gefragt. Qualität ist einfach wichtig.

Unser Büro ist direkt neben der Markthalle 9. Die wechselnden Veranstaltungen zu verschiedenen Lebensmitteln oder Themen rund ums Essen, besuchen wir regelmäßig. Das erinnert mich ein bißchen an den Borough Market in London. Außerdem sind Messen interessant für uns, im November war ich zum Beispiel auf der eat & style. Bei solchen Events kommen von Marken, über Foodblogger bis Hersteller so viele verschiedene Leute unter der Prämisse zusammen, dass sie Essen lieben. Das ist spannend für uns, auch um Networking zu betreiben.“

4. Per Meurling ist Gastrokritiker und Betreiber des Blogs Berlin Food Stories. Beim Blogger-Brunch erzählte er, wer und was die Szene aktuell am stärksten prägt. (@BerlinFood)

„Der interessanteste Trend der Food Szene ist meiner Meinung der unbändige Wille der neuen Gastronomengeneration über den Tellerrand traditioneller Berliner Restaurantkonzepte hinwegzuschauen und neue Sachen zu probieren, die auch im internationalen Kontext interessant sind. Berlin liegt, was die gastronomische Entwicklung angeht, immer noch weit hinter den anderen Metropolen Europas. Aber die Szene entwickelt sich rasant und ich sehe zum ersten Mal die Möglichkeit, dass Touristen nicht nur wegen Kultur, Mode und Party nach Berlin kommen, sondern anfangen die Stadt als eines der spannendsten Gastro-Reiseziele Europas zu sehen.“

5. Eva Biringer ist ebenfalls Bloggerin und beschäftigt sich auf Mildmädchenmonolog und Küchenperlen sowohl mit neuen kulinarischen Entdeckungen, als auch mit alteingesessenen Instituitionen wie der Grünen Woche. Auf dem BriteDay sprach sie mit uns (@evaperlaperla):

„Street Food ist zwar nicht mehr brandneu, aber ich glaube der Peak ist noch längst nicht erreicht. Es machen ständig neue Märkte auf, wie in der Neuen Heimat, der Bite Club oder der koreanische Markt in der Platoon Kunsthalle. Ich entdecke Supper Clubs gerade total für mich, auch wenn viele behaupten, das sei schon wieder durch. Ernährungstrends wie Paleo oder veganes Essen sehe ich eher problematisch, auch wenn ich das selbst ausprobiert habe. Wenn jemand eine Glutenunverträglichkeit hat, ist das natürlich völlig okay, aber ich habe oft das Gefühl, dass sich Leute mit ihrer Ernährung profilieren wollen.

Food-Events finde ich vor allem dann interessant, wenn sie einen gewissen Underground-Charme haben – auch wenn ich weiß, dass der oft eher gefühlt ist, als tatsächlich echt. Alles was draußen passiert finde ich gut. Veranstaltungen wie der ‚Restaurant Day‘ zeigen, dass Essen immer gemeinschaftlicher wird. Ich glaube das wird sich in Zukunft noch verstärken. Wenn ich auf solche Events gehe, komme ich oft mit einem großen Stapel Visitenkarten zurück und die kommen längst nicht nur von anderen Journalisten.“

6. Natali Borsi betreibt den Blog Kochen, Kunst & Ketchup und war ebenfalls beim Blogger-Brunch dabei:

„Vieles, was in dem Bereich Essen unter ‚Trends‘ läuft, sehe ich ziemlich kritisch. Es gibt aber auch spannende Entwicklungen, zum Beispiel, das viel mehr regional gekocht und Take-Away Essen immer gesünder wird. Außerdem bin ich gerade ganz begeistert von der peruanischen Küche, besonders Ceviche. Ich mag es, wenn die Speisen anderswo noch mal neu interpretiert werden. Auch Social Dining, also das Gemeinsame am Essen wird wichtiger. Aber bitte ohne Competititon, sondern mit Leichtigkeit.“

7. Constanze Lambsdorff macht die Fotos für Kochen, Kunst & Ketchup und ist ebenfalls leidenschaftliche Köchin.

„Gute Qualität, aber kein überzogener Anspruch. Auch preislich nicht. Es muss nicht immer ein Sternekoch hinter dem Restaurant stehen.“

8. Till Neatby ist Gründer von Marley Spoon, einem neuen Lieferservice für qualitative Zutaten und Rezepte zum Selberkochen. Beim BriteDay nahm er an der Panel-Diskussion teil und erzählte uns auch, welche Food-Trends seine Kunden und ihn beschäftigen (@MarleySpoonDe):

„Regionalität ist ein Dauerthema und wird es sicher bleiben. Das liegt nicht nur an Skandalen in der Lebensmittelindustrie, sondern auch daran, dass viele Leute einfach keine Lust auf die Massenware aus den Supermarktregalen haben. Dass weniger Fleisch gegessen wird, ist sicher auch ein Trend der Bestand hat.

Food Trucks finde ich super und gehe gerne zu solchen Veranstaltungen. Ich habe eine kleine Tochter und finde es gut, das ich das tagsüber mit ihr zusammen machen kann. Allerdings wird da zum Teil noch sehr unprofessionell gearbeitet und es ist teilweise ziemlich hochpreisig. Für eine Quesadilla, die mit einer Fertigkäsemischung gemacht wurde, zahlt man einmal 6 Euro und dann nie wieder. Ich glaube solche Angebote können dauerhaft nur bestehen, wenn es wirklich gute Qualität zu einem fairen Preis gibt. „

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mehr denn je Wert auf die Qualität gastronomischer Angebote gelegt wird. Zudem differenziert sich das kulinarische Angebot in Berlin immer weiter aus. Zu klassischen Restaurants kommen immer mehr Street Food Veranstaltungen, Markthallen und PopUp-Restaurants hinzu. Auch die angebotenen Speisen selbst sind vielfältiger denn je. Alle Experten besuchen Events dieser Art nicht nur aus persönlichem Interesse, sondern auch, um sich über Food-Trends auf dem Laufenden zu halten, Inspirationen zu sammeln sowie Kontakte zu knüpfen. Alle Befragten sind sich einig, dass die Food-Szene ein immer größeres (internationales) Publikum anzieht und der Höhepunkt dieser positiven Entwicklung noch nicht erreicht ist.

Du planst dein eigenes Food-Event? Hier gibt es hilfreiche Informationen dazu. Neue Nutzer profitieren bei Eventbrite übrigens von unserem Willkommensangebot.