„Entschuldige, wie war nochmal dein Name?“

Kennst du das auch? Du bist mit deiner Begleitung auf einer Party oder einem Networking-Event. Gleich am Eingang triffst du auf ein paar bekannte Gesichter. Da du sie kennst, lächelst du sie natürlich an und als sie auf dich zusteuern, ist es längst zu spät – denn leider fällt dir zeitgleich auf, dass du ihre Namen nicht weißt. Obwohl du dich schon mindestens drei Mal mit ihnen unterhalten hast.

Eine unangenehme Situation, in die nicht wenige von uns regelmäßig geraten. Gerade als Veranstalter und Gastgeber solltest du Stammgäste, Influencer und die Fans der ersten Stunde beim Namen kennen. Sich zum x-ten Mal vorstellen zu müssen, ist für die andere Seite mindestens genauso unangenehm.

Die meisten Menschen haben Probleme damit, Namen mit Gesichtern zu verbinden, da Namen, wie Studien belegen, „bedeutungsfrei“ sind. Bedeutungsfrei meint hier, dass wir bei Namen – anders als bei gegenständlichen Begriffen wie zum Beispiel „Kaffeetasse“ oder „Fußball“ – kein mentales Bild vor Augen haben.

Der Beruf eines Gesprächspartners prägt sich uns dagegen viel leichter ein. Eine Studie mit dem Titel „Putting Names to Faces“, die 1987 im British Journal of Psychology veröffentlicht wurde, belegt, dass dies sogar für Nachnamen gilt, die auf Berufsbezeichnungen zurückgehen. Uns fällt es weitaus schwerer, uns an „Herrn Bäcker“ zu erinnern, als daran, dass wir auf der letzten Konferenz einen Bäcker kennengelernt haben.

Das erklärt, warum wir uns zwar an ein Treffen mit einer Person erinnern können und auch daran, wo diese Person arbeitet, uns ihr Name aber beim besten Willen nicht einfallen will. Leider spielt es beim Beziehungsaufbau in unserem Berufsalltag sehr wohl eine Rolle, ob wir uns an die Namen unserer Gesprächspartner erinnern können. Jemanden vorstellen zu müssen, dessen Namen einem entfallen ist, ist wie erläutert eine peinliche Situation für alle Beteiligten.

Doch glücklicherweise gibt es einige wissenschaftlich belegte Gedächtnisstützen, die dabei helfen, sich Namen und Gesichter einzuprägen. In der Studie „Your Memory: How It Works and How to Improve It“ legt Prof. Dr. Kenneth L. Higbee, Professor der Psychologie, dar, wie du deinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen und das Muffensausen vor Networking-Treffen hinter dir lassen kannst.

1. Gut zuhören

Wenn wir eine Person zum ersten Mal treffen, konzentrieren wir uns oft so sehr auf unsere eigene Vorstellung, dass wir den Namen, der uns genannt wird, gar nicht mitbekommen. Höre darum gut zu und wiederhole das Gesagte – zum Beispiel, indem du erwiderst: „Schön, Sie kennenzulernen, Frau Heinemann“. So signalisierst du, dass du sie verstanden hast und speicherst das Gehörte in deinem Gehirn ab.

Es muss dir nicht peinlich sein, nachzufragen, wenn du den Namen, mit dem sich dein Gegenüber vorstellt, beim ersten Hören nicht verstanden hast. Handelt es sich um einen seltenen Namen, könntest du ihn dir auch buchstabieren lassen. Bei ausländisch oder ungewöhnlich klingenden Namen mag es unangenehm sein, nachfragen zu müssen. Allerdings ist es wahrscheinlicher, dass sich dein Gegenüber von dem Bemühen, seinen Namen richtig auszusprechen, geschmeichelt fühlt, als dass ihn dein Unwissen pikiert.

2. Fragen stellen

Wenn möglich, mach den Namen der Person zum Gesprächsthema. Vielleicht handelt es sich um einen außergewöhnlichen Familiennamen, nach dessen Herkunft du fragen könntest. Oder du kennst jemanden mit demselben Namen, sodass du dich erkundigen kannst, ob ein Verwandtschaftsverhältnis besteht (sofern der Name nicht gerade „Müller“ oder „Schmidt“ lautet).

Vielleicht trägt dein Gegenüber auch denselben Vornamen wie eine Person, die dir nahesteht. Auch das kann eine Erwähnung wert sein, etwa „Annemarie, wie meine Schwester.“
Je öfter du einen Namen wiederholst (ohne dass es gestellt wirkt), desto besser prägt er sich ins Gedächtnis ein. Studien haben gezeigt, dass sich das Namensgedächtnis auch ohne Eselsbrücken und Erinnerungsstützen wesentlich verbessern lässt, wenn man sich auf einen Namen konzentriert und ihm Beachtung schenkt. Sich bewusst vorzunehmen, sich einen Namen einzuprägen, ist im Grunde schon die halbe Miete.

3. Visuelle Verbindung herstellen

Manche Namen wie „Rosa“ oder „Heide“ haben eine leicht erkennbare Bedeutung, was es einfacher macht, sie zu visualisieren. Bei Namen, deren Bedeutung nicht so offensichtlich ist, kann man sich eine Eselsbrücke bauen, indem man sie mit etwas Gegenständlichem verbindet.

Bei „Mira“ könnte man beispielsweise an „Mirabelle“ denken und sich Mira dabei vorstellen, wie sie eine Mirabelle isst. Oder vielleicht gibt es einen berühmten Namensvetter, der sich für ein mentales Bild eignet. Vielleicht können Sie sich „Albert“ gut mit wirrem Haar und Rundbrille vorstellen oder „Lothar“ dabei, wie er einen Fußball übers Feld kickt. Je amüsanter oder ungewöhnlicher das Bild, desto einfacher fällt es, sich daran zu erinnern, weiß Dr. Higbee.

4. Genau hinschauen

Als Nächstes solltest du dir das Gesicht deines Gegenübers genau anschauen – natürlich ohne unangenehm zu starren – und nach einer Besonderheit Ausschau halten. Hat dein Gesprächspartner vielleicht ein Muttermal im Gesicht, eine Stupsnase oder eine ungewöhnliche Augenfarbe? Suche nach etwas Charakteristischem, einem Wiedererkennungsmerkmal.

Jedes Gesicht ist einzigartig. Wenn man nur genau genug hinschaut, wird man mit Sicherheit eine Besonderheit entdecken, die das Wiedererkennen erleichtert. Schon allein dadurch, dass man sich ein Gesicht ganz genau ansieht und sich darauf konzentriert, kann man sich die Züge besser einprägen.

5. Name und Gesicht verbinden

Du hast den Namen und du hast das Gesicht. Jetzt gilt es, beides miteinander zu verbinden. Rufe dir sich noch einmal deine Eselsbrücke, also dein mentales Bild, vor Augen und ergänze es um die Besonderheiten, die dir aufgefallen sind. Hat Mira zufällig einen besonders großen Mund? Dann stopft sie sich in deiner Vorstellung vielleicht gerade eine ganze Handvoll Mirabellen hinein. Und falls Lothar eine platte Nase hat, erklärt der Fußball, den du ihm andichtest, womöglich, woher…

6. Mentale Notiz machen

Laut Dr. Higbee vergessen wir Dinge meist, kurz nachdem wir uns an etwas erinnert haben. Darum ist es wichtig, dass die Begegnung mit deinem Gegenüber und den neu gelernten Namen im Geiste zu rekapitulieren. Wiederhole nach dem Gespräch oder im Laufe des Abends mehrmals den Namen und konzentriere dich auf dein mentales Bild.

Nach dem Event bietet es sich an, zu jeder neuen Bekanntschaft eine schriftliche Notiz samt deiner Eselsbrücken zu machen. Wenn der Gesprächspartner dir seine Visitenkarte gegeben hat, notiere deine Eselsbrücke auf der Karte. So hast du das nächste Mal, wenn sie dir in die Hände fällt, direkt ein Gesicht vor Augen.

Fazit: So kannst du dir Gesichter und Namen besser merken

Diese Erinnerungstechnik geht anfangs vielleicht etwas schwer von der Hand. Doch mit genug Zeit und Übung fällt das Ersinnen von Eselsbrücken immer leichter.
Mach dir keine Gedanken darum, dass du dein mentales Bild versehentlich aussprechen und Mira tatsächlich Mirabelle nennen könntest. Laut Dr. Higbee ist das unwahrscheinlich.
Belegt ist: Wenn du dir die Gesichtszüge deines Gegenübers und ein passendes mentales Bild einprägst, stehen die Chancen, dass du dich das nächste Mal an den zugehörigen Namen erinnerst, bei 90 %. Also lass deiner Fantasie freien Lauf!

Hast du eine dieser Gedächtnisstützen schon einmal ausprobiert? Hat es bei dir funktioniert? Vielleicht kennst du andere Techniken, um dich an Gesichter und den Namen zu erinnern? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!